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11.09.2026

Angststörung: Wenn Sorgen den Alltag bestimmen

Wir alle sind hin und wieder nervös oder besorgt. Aber wann wird aus normalen Sorgen eine generalisierte Angststörung?

Wann werden normale Sorgen zur Angststörung?

Vor einer Prüfung nervös zu sein, sich um die eigene Gesundheit oder die der Familie sorgen oder finanzielle Unsicherheiten durchdenken – das kennen die meisten Menschen nur zu gut. Denn biologisch macht es Sinn, sich im Kopf auf mögliche Schwierigkeiten vorzubereiten und aus Enttäuschungen zu lernen. Überhaupt hat Angst eine wichtige Funktion: Sie hilft uns, Risiken zu erkennen und uns vorzubereiten. Doch wann werden Sorgen zur Angststörung?

Normale Sorgen werden zur Angststörung, wenn sie übermässig, anhaltend und belastend sind und die Lebensqualität einschränken. Hinweise auf einer ernsthafte Angsterkrankung können sein:

  • Sorgen sind ständig präsent
  • Ängste lassen sich nicht mehr kontrollieren
  • Die Angstfühle beeinträchtigen den Alltag deutlich

Was ist eine generalisierte Angststörung?

Bei einer generalisierten Angststörung (GAS) kreisen die Gedanken aussergewöhnlich häufig und belastend um mögliches Unheil – ohne dass ein konkreter Auslöser erkennbar wäre.
Typische Anzeichen einer generalisierten Angststörung sind:

  • Angstgefühle treten an den meisten Tagen auf
  • Sie bestehen über mindestens sechs Monate
  • Sie werden als unkontrollierbar erlebt

Welche Symptome treten bei Angststörungen sonst noch auf? Laut dem «Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders» (DSM-5) der American Psychiatric Association müssen für die Diagnose zusätzlich mindestens drei der folgenden Merkmale vorliegen:

  • Ruhelosigkeit oder ständige innere Anspannung
  • Erhöhte Ermüdbarkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten oder «Leere im Kopf»
  • Reizbarkeit
  • Muskelverspannungen
  • Schlafstörungen

Welche körperlichen Symptome treten bei Angststörungen auf?

Angststörungen zeigen sich nicht nur im Kopf, sondern äussern sich häufig auch körperlich. Betroffene berichten von vielfältigen Symptomen, die häufig auch kombiniert auftreten können. Zu den typischen körperlichen Symptomen von Angststörungen zählen unter anderem:

  • Herzrasen
  • Schwitzen
  • Zittern
  • Schwindel
  • Magen-Darm-Beschwerden

Diese körperlichen Beschwerden führen nicht selten dazu, dass zunächst eine organische Ursache gesucht wird – oft ein langer Weg, bis die eigentliche Ursache erkannt wird. So zeigt eine Studie aus dem Journal of Clinical Psychiatry, dass nahezu 60% der Betroffenen mit generalisierter Angststörung wegen körperlicher Symptome ärztliche Hilfe suchen.

Wie entstehen Angststörungen?

Die Entstehung von Angststörungen ist multifaktoriell, es gibt also keine einzelne Ursache. Das biopsychosoziale Modell geht vom Zusammenspiel verschiedener Faktoren aus:

  • Biologische Faktoren: Genetische Veranlagung, Veränderungen in Neurotransmittersystemen (insbesondere Serotonin und GABA)
  • Psychologische Faktoren: Erlernte Denkmuster, frühe Bindungserfahrungen, Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus
  • Soziale Faktoren: Belastende Lebensereignisse, chronischer Stress, fehlende soziale Unterstützung

Wie werden Angststörungen behandelt?

Viele Betroffene warten lange Zeit ab, bevor sie Unterstützung in Anspruch nehmen. Dabei gilt: Frühe Hilfe verbessert die Behandlungschancen deutlich. Und Angststörungen lassen sich in der Regel gut behandeln. Laut den S3-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) gelten folgende Ansätze als besonders wirksam:

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Dabei lernen Betroffene, angstauslösende Gedankenmuster zu erkennen, zu verändern und zu überwinden. Die Wirksamkeit ist durch zahlreiche Studien belegt.
  • Entspannungsverfahren: Unter anderem können progressive Muskelrelaxation und Achtsamkeitsübungen helfen, die körperliche Anspannung zu reduzieren und den Angstkreislauf zu durchbrechen.
  • Medikamentöse Therapie: Insbesondere Antidepressiva (SSRI, SNRI) weisen eine hohe Wirksamkeit auf und sind daher auch für die Behandlung von Angststörungen zugelassen.

Angststörungen:
Wann Sie Hilfe suchen sollten

Wenn Ängste Ihren Alltag übermässig beeinträchtigen, Sie soziale Aktivitäten vermeiden oder sich körperliche Symptome häufen, ist es Zeit, aktiv zu werden.
Sie sollten professionelle Hilfe suchen, wenn:

  • Sorgen Ihren Alltag dominieren
  • Sie sich zurückziehen
  • körperliche Symptome ohne klare Ursache auftreten
  • Sie sich dauerhaft angespannt oder erschöpft fühlen

Angststörungen sind weit verbreitet – und gleichzeitig gut behandelbar. Entscheidend ist, die Symptome ernst zu nehmen und frühzeitig Unterstützung zu suchen. Je früher eine Behandlung beginnt, desto grösser sind die Aussichten auf Besserung.

Weitere Informationen zum Thema Angst finden hier Sie auf unserer Detailseite.


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