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30.09.2021

Nachruf: Hartmut Radebold

Er hat die deutschsprachige Psychotherapie für ältere Menschen geprägt wie niemand vor ihm: Am 17. September 2021 ist Prof. Dr. med. Hartmut Radebold im Alter von 86 Jahren gestorben. Als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats hat er die Privatklinik Aadorf mit seinem enormen Wissen und seiner analytischen und innovativen Denkweise über viele Jahre bei fachlichen Fragen und Projekten unterstützt. Hartmut Radebold wird – nicht nur in der Privatklinik Aadorf – eine grosse Lücke hinterlassen.

Hartmut Radebold kam im Jahr 1935 in Berlin zur Welt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs er als Halbwaise bei seiner Mutter auf. Von 1954 bis 1960 studierte er Medizin an der Freien Universität Berlin, wo er sich auch zum Arzt für Psychiatrie/Neurologie weiterbildete. 1964 wurde er promoviert und begann zugleich eine psychoanalytische Weiterbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut.

Nach Stationen in Berlin und Ulm kam Hartmut Radebold 1976 zur Universität Kassel, wo er mehr als 20 Jahre lang als C4-Professor für Klinische Psychologie unter besonderer Berücksichtigung des höheren und hohen Lebensalters tätig war. Die Auseinandersetzung mit der psychotherapeutischen Behandlung und Begleitung von älteren Menschen sollte ein zentraler Teil seines Schaffens werden. Unter anderem gründete er die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe für angewandte Soziale Gerontologie sowie das Institut für Alterspsychotherapie, welches er bis 2008 leitete. Für seine Arbeiten zur Psychotherapie älterer Menschen wurde Hartmut Radebold im Jahr 2010 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse geehrt.

Ein besonderer Schwerpunkt in seinem Wirken galt den Folgen kindlicher Kriegstraumata. Selbst ein Kriegskind mit belastender Geschichte, setzte sich Hartmut Radebold intensiv mit den therapeutisch lange vernachlässigten Folgen einer Kindheit im Zweiten Weltkrieg auseinander. Zur Psychotherapie für ältere Menschen und zu den psychischen Spätfolgen der Kriegsgräuel veröffentlichte er zahlreiche Bücher, die er zum Teil gemeinsam mit seiner Frau Hildegard verfasste. Hildegard Radebold starb am 15. September 2021. Zwei Tage später starb auch Hartmut Radebold in seiner Wahlheimat Kassel.

Hartmut Radebold war von Beginn an Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Privatklinik Aadorf und bereicherte das Gremium sowie die gesamte Klinik mit seiner Erfahrung und seiner Expertise, aber auch mit seiner wohlmeinenden Art. An zahlreichen Symposien des Aadorfer Fachforums Psychotherapie referierte er zu seinen Schwerpunktthemen und brachte diese dem Fachpublikum auf ebenso fundierte wie erhellende Weise näher. Zudem unterstützte er die Privatklinik Aadorf aktiv in der Entwicklung des Behandlungsschwerpunktes «Psychotherapie für Menschen der Generation 50+». Für die Privatklinik Aadorf war er ein wichtiger Förderer und Unterstützer. Er wird fehlen – in fachlicher wie auch in menschlicher Hinsicht. 

Im Namen des Verwaltungsrates und der Klinikleitung, der Mitarbeitenden und des gesamten Wissenschaftlichen Beirats möchten wir seinen Angehörigen unsere aufrichtige Anteilnahme und unser Mitgefühl aussprechen.