Ursachen und Symptome

  • Anorexia nervosa
  • Bulimia nervosa
  • Binge-Eating-Störung

Übersetzt aus dem Griechischen und dem Lateinischen bedeutet der Begriff «Anorexia nervosa» so viel wie «nervöse Appetitlosigkeit». Die Anorexia nervosa (Magersucht) ist eine Erkrankung, die sich auf viele wichtige Lebensbereiche auswirkt. Sie kommt bei etwa 1 Prozent der 15- bis 30-jährigen Frauen vor. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen 14 und 16 Jahren. Selten sind auch Männer betroffen. Meist kommt es zu Beeinträchtigungen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, der Lebenszufriedenheit, zu Schwierigkeiten in Beziehungen und im schulischen oder im beruflichen Bereich. Aufgrund einer verzerrten Wahrnehmung haben Betroffene die feste Überzeugung, trotz bestehendem Untergewicht zu dick zu sein, und sind von einer ausgeprägten Angst vor Gewichtszunahme beherrscht. Sie entwickeln zahlreiche Strategien, um ihr Gewicht tief zu halten. Im Vordergrund steht die restriktive Nahrungseinnahme; kalorienreiche Lebensmittel werden vermieden. Mit der Zeit werden Diäten und Fasten alltäglich. Ein Teil der Betroffenen macht zudem exzessiv Sport, erbricht das Wenige, was eingenommen wird oder betreibt Medikamentenmissbrauch mit Appetitzüglern, Abführ- und Entwässerungsmitteln. Langfristig führen diese Verhaltensweisen auch zu körperlichen Veränderungen, die schwer und irreversibel sein können.

In Europa leiden rund 5 Prozent der 15- bis 30-jährigen Frauen an einer Bulimie (Ess-Brech-Sucht) – mit steigender Tendenz. Auch bei 0,5 Prozent der männlichen Bevölkerung in dieser Altersgruppe tritt dieses Krankheitsbild auf. Bei der Bulimie kommt es zu wiederholten Heisshungeranfällen mit Kontrollverlust. Innerhalb kürzester Zeit werden grosse, kalorienreiche Nahrungsmengen verschlungen. Die Betroffenen fühlen sich diesem Geschehen machtlos ausgeliefert. Um der Angst vor einer Gewichtzunahme entgegenzuwirken, wird unmittelbar danach versucht, den Vorfall rückgängig zu machen, durch selbst induziertes Erbrechen. Dies führt zu kurzfristigem Spannungsabbau. Im Verlauf kann dieses Vorgehen automatisiert ablaufen. Als gegensteuernde Massnahmen werden zudem Appetitzügler, Abführmittel, Entwässerungsmittel, Schilddrüsenhormone sowie übermässige Bewegung genutzt. Heisshungerattacken wechseln häufig mit Hungerphasen. Die Patientinnen und Patienten leiden in der Regel unter einer Körperschemastörung: trotz normalem oder leichtem Übergewicht wird der eigene Körper als viel zu dick empfunden. Das Essen oder Nicht-Essen bestimmt zunehmend den Lebensinhalt, alle anderen Lebensbereiche werden zweitrangig. Die übertriebene Besorgnis um Figur, Körpergewicht und die Gier nach Essen isolieren die Betroffenen. Wie bei den meisten psychischen Erkrankungen geht man auch bei der Entstehung der Bulimie von einem multifaktoriellen Geschehen aus, mit einer Kombination von entwicklungspsychologischen, soziokulturellen und biologischen Faktoren.

Patientinnen und Patienten mit einer Binge-Eating-Störung haben regelmässige Essanfälle, die von Kontrollverlust begleitet werden. Im Gegensatz zur Bulimie unternehmen Betroffene jedoch keine gegensteuernden Massnahmen wie Erbrechen, Einnahme von Abführmittel, Fasten oder übermässige körperliche Betätigung. Es kommt oft zu einer Gewichtszunahme. Die Ursachen sind vielfältig. Häufig scheint die übermässige Nahrungsmittelzufuhr eine Ersatzbefriedigung für unerfüllte Bedürfnisse oder eine Strategie im Umgang mit negativen Gefühlen zu sein. Auch familiäre Konflikte, Diätverhalten und ein niedriges Selbstwertgefühl stellen Risikofaktoren dar.