Essstörungen

Gemeinsames Leitsymptom der Essstörungen ist der gestörte Umgang mit der Ernährung, der das Denken, Fühlen und Handeln der Patientinnen und Patienten bestimmt. In der Behandlung ist es deshalb wichtig, symptomorientiert vorzugehen. Ein weiterer Fokus der Psychotherapie wird darauf gelegt, den Kampf um Autonomie und Identität besser zu verstehen und die damit verbundenen Abwehrstrategien zu bearbeiten. Bei diesem Punkt berühren sich Themen von Betroffenen mit Essstörungen mit weiteren psychischen Krankheitsbildern. Die beiden psychischen Störungen treten auch kombiniert auf. 50 bis 75 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Essstörungen haben zusätzlich Depressionen. Ausserdem kommen Angst- und Zwangsstörungen, soziale Phobien und schädlicher Gebrauch/Abhängigkeit von psychotropen Substanzen vor.

Die moderne Psychotherapie gibt Anlass, optimistisch zu sein. Mit erfahrenen und qualifizierten Spezialisten können heute auch schwere und lang andauernde Essstörungen mit gutem Erfolg behandelt werden.

Prof. Dr. med. Gabriella Milos

Leitende Ärztin Zentrum für Essstörungen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Universitätsspital Zürich, Expertin für Essstörungen, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Privatklinik Aadorf.

«Im Gegensatz zu Menschen mit anderen psychischen Erkrankungen, welche die Symptome unbedingt loswerden wollen, stehen Patientinnen und Patienten mit Essstörungen ihrer Krankheit sehr ambivalent gegenüber. Die Krankheit ist stark in das Leben integriert und viele Betroffene wollen sie gar nicht wahrhaben.»